Kakteen-Forum (Archiv)


Re: Gewächshaus


Abgeschickt von Frank Vincentz am 01 Oktober, 2002 um 23:19:

Antwort auf: Gewächshaus von Gerhard JMainka am 01 Oktober, 2002 um 18:55
Hallo Gerhard,

Glas hat glasklare Vorteile. Von außen kannst Du ins Gewächshaus hineinsehen und Deine Pflanzen prima erkennen. Und von innen hast Du eine tolle Sicht nach außen. Fast alle anderen Vorteile liegen aber beim Plexiglas. Hier die wichtigsten:

- Diffuses Licht.
Bei Glas knallt das Licht direkt auf die Pflanzen, bei Stegdoppelplatten wird es von den Hohlkammerprofilen gebrochen. Das so etwas diffusere Licht verringert die Sonnenbrandgefahr erheblich.
Ein kleiner Nachteil ist leider, dass so auch nicht das gesamte Licht an die Pflanzen kommt, sondern nur etwa 80%. Der Rest wird reflektiert und in Wärme umgewandelt. Meiner Erfahrung nach reichen die 80% aber durchaus, wenn das Gewächshaus an einem hellen Platz aufgestellt ist.

- UV-Durchlässigkeit.
Glas ist für UV-Strahlen praktisch undurchlässig. Plexiglas, aus dem die Stegdoppelplatten bestehen, lässt sie aber durch. UV-Strahlung ist gut für Sukkulenten, es macht sie "hart" und widerstandsfähig.

- Hagelfestigkeit
Bei einem kräftigen Hagel ist Glas schnell zerbrochen, doch Stegdoppelplatten sind viel zäher. Die 20 Jahre alten Platten meines alten Gewächshauses haben bei Unwettern zwar einige Sprünge und kleine Löcher an den Außenseiten bekommen, doch durchgegangen ist nichts.

- Wärmedämmung
Glas hat nur eine geringe Wärmedämmung. Als Maß dient hier der sogenannte K-Wert in der Dimension W/m²K (Watt geteilt durch Quadratmeter und Temperaturdifferenz in Kelvin *)
K-Werte für
Normales Fensterglas: 5,8,
Stegdoppelplatten (16 mm): 2,8,
Stegdreifachplatten (16 mm): 2,4.
Je geringer der Wert, desto besser. Gegenüber Glas haben Stegdoppelplatten also eine etwa doppelt so gute Wärmedämmung. Das heißt, Stegdoppelplatten reduzieren die Heizkosten auf etwa die Hälfte gegenüber Glas. Da machen sich die etwas höheren Anschaffungskosten schnell bezahlt!
Da Stegdreifachplatten inzwischen für den gleichen Preis wie Stegdoppelplatten angeboten werden, habe ich mich bei meinem neuen Gewächshaus aus Ersparnisgründen für die dreifachen entschieden.

Stegvierfachplatten mit einem K-Wert von 1,6 gibt es inzwischen auch. Leider haben sie nur noch eine Lichtdurchlässigkeit von 60% und sind deshalb für ein für lichthungerige Sukkulenten gedachtes Gewächshaus nicht so richtig zu empfehlen. Ich denke, die doppelten oder dreifachen Plexiglasplatten sind derzeit das beste, was man an Verglasung für sein Sukkulentenhaus bekommen kann.

Von den nur etwa 5 mm dünnen Stegdoppelplatten, die zu einigen Billig-Gewächshäusern angeboten werden, muss ich dringend abraten. Die sind so weich und nachgiebig, dass sie bei einem Sturm eingedrückt werden. Und wenn der Sturm erst mal einen Angriffspunkt hat, geht der Rest ganz schnell. Ich habe letzten April miterlebt, wie aus diesem Grund das Gewächshaus eines Nachbarn bei einem ganz normalen Fruhlingssturm innerhalb weniger Minuten zerlegt und in Schrott verwandelt wurde. Obwohl sein Billighaus immerhin ein paar hundert Euro gekostet hat, hat mein Nachbar hier an der falschen Stelle gespart. Ruckzuck war's kaputt.


Frank
www.euphorbia.de


* So kannst Du übrigens auch den Wärmebedarf für Dein Gewächshaus ausrechnen.
Beispiel:
Dein Gewächshaus eine "Glas"fläche von 26 Quadratmetern,
der K-Wert von Stegdoppelplatten ist 2,8 W/m²K,
die Temperaturdifferenz (innen +5 °C, außen ?20 °C) ist 25 °C bzw. K.
Die Formel nach Watt umgestellt: 26*2,8*25 = 1820 W
Um etwas Reserve zu haben, wäre also eine Heizung erforderlich, die 2 kW abgibt.




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