Kakteen-Forum (Archiv)


Re: Wüstengräser ne harte Nuss


Abgeschickt von Frank Vincentz am 03 Oktober, 2003 um 10:00

Antwort auf: Wüstengräser ne harte Nuss von Falk am 30 September, 2003 um 10:42
Hallo Falk,
das Wüstengras kenne ich nicht in Kultur, doch wage ich mal ein paar Spekulationen, wie man das pflegen könnte. Ich gehe mal davon aus, welchen Bedingungen einjährige Wüstenpflanzen generell ausgesetzt sind. Triodia basedowii scheint ja vorwiegend einjährig zu sein, wird häufig durch Buschfeuer niedergebrannt und ist nur hier und da an geschützten Stellen ausdauernd.

A: Sand oder ein anderes mineralisches Substrat wäre wohl richtig. Da der Humus unserer normalen Erde in der Wüste absolute Wangelware ist, kann das Gras möglicherweise garnicht viel damit anfangen. Andererseits sind Sandwüsten potentiell durchaus fruchtbar, da der Sand größere Mengen Mineralsalze (und in diesem Fall Asche) enthält. Für die Kultur bedeutet das: Nährstoffe durch kräftige Gaben eines mineralischen Düngers zugeben.

B: Hier muss ich Dir widersprechen. Es ist tatsächlich so wie in "Die Wüste lebt". Wenn es denn mal in einer Wüste regnet, dann so heftig, dass im Nu alles überschwemmt ist. (Du hast sicher schon davon gehört, dass in Wüsten mehr Menschen ertrinken als verdursten.)
Die Samen und anfangs die Sämlinge solltest Du also richtig nass halten. Da die Nässe in der echten Wüste nicht lange anhält, sollten die Grassamen den Wettlauf mit der Zeit rapide starten und innerhalb kürzester Zeit keimen.
Während des Wuchses solltest Du nach und nach die Wassergaben immer knapper halten und so die Gräser zur Fruchtbildung zwingen.
Da Regen in der australischen Wüste nur sehr sporadisch fällt, werden die Samen vermutlich eine Keimhemmung aufweisen, müssen also mehrere Monate trocken gelagert werden, um keimfähig zu werden.

Sonstige Bedingungen, die anzuraten wären: Viel Licht! Große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Viel frische Luft.

Die Substrattiefe bzw. Topfgröße hängt davon ab, welche Art von Wurzeln das Gras macht. Im Prinzip gäbe es zwei unterschiedliche Strategien:
1. Lange Pflahlwurzeln, um auch noch an die in der Tiefe vorhandene Feuchtigkeit zu gelangen.
2. Verzweigte, oberflächennahe Wurzeln, um ein großes Einzugsgebiet für Regen und ggf. Tau zu bekommen.
Welche Strategie die Evolution dem Grass Triodia basedowii zugedacht hat, weiß ich nicht. Den Bildern nach, die im Internet zu sehen sind und auf denen die einzelnen Pflanzen größere Abstände zueinander haben, tippe ich mal auf Strategie 2, also Flachwurzeln.

Wie ich sehe, hast Du im GradenWeb Forum "Australian Native Plants" schon versucht, Kulturhinweise zu Deinem Gras zu bekommen. Versuche es dort nochmal oder im Forum "Cacti in OZ" (http://www.au.gardenweb.com/forums/cacti/) oder schreibe mal direkt an Paul Kaluschke (http://www.mixedpk.com/). Paul kennt viele weitere Sukkulentenfreunde in Australien wird sich sicher bemühen, Dir irgendwie mit Infos zu helfen. Bestelle ihm Grüße von mir.

Viel Erfolg!

Für alle, die nun neugierig geworden sind, hier ein paar Links zu Bildern:
http://audit.ea.gov.au/ANRA/vegetation/docs/Native_vegetation/nat_veg_fact20.cfm
http://www.lpe.nt.gov.au/advis/grass/HARDSPINNAFEX.HTM
http://www.anbg.gov.au/images/photo_cd/9J18G058272/012.html


Frank
www.euphorbia.de


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